Konsumentenvertrauen in der Corona-Krise

  • Konsumentenvertrauen in der Corona-KriseDer Konsumentenvertrauensindex ist ein wichtiger Indikator, frühzeitig Änderungen im privaten Konsum zu erkennen und so die Konjunkturentwicklung einschätzen zu können. Eine der Fragen des Konsumentenvertrauensindex ist, ob es momentan ein passender Zeitpunkt sei, um dauerhafte Konsumgüter (z.B. Kühlschrank, Fernseher, Möbel, etc.) zu kaufen. Diese Frage wird seit Ausbruch der Corona-Krise auch im Rahmen des Austrian Corona Panels wöchentlich gestellt.
  • Der Anteil derjenigen Befragten, die zum jeweiligen Zeitpunkt einen schlechten Zeitpunkt für den Kauf dauerhafter Konsumgüter sehen, ist im Verlauf der Krise stetig gesunken.  
  • Zu Beginn der Befragung Anfang April lag die Differenz der negativen (schlechter Zeitpunkt) und positiven (guter Zeitpunkt) Antworten mit -54,1 Prozentpunkten deutlich im negativen Bereich. Sie liegt bei der letzten Befragung am 27. Mai „nur“ mehr bei -8.5 Prozentpunkten.  
  • 17%  der Befragten sehen in 3 Monaten noch immer einen schlechten Zeitpunkt, um dauerhafte Konsumgüter zu kaufen. Für 14% der Befragten ist das auch in 12 Monaten noch so.

Von Paul Pichler, Philipp Schmidt-Dengler und Christine Zulehner

Der Konsumentenvertrauensindex ist ein wichtiger Vorlaufindikator für den privaten Konsum und die Konjunkturentwicklung in Österreich. Er reflektiert „die Einschätzung der Konsumenten zur Wirtschaftslage, zum beabsichtigten Spar- und Konsumverhalten, zur Preisentwicklung sowie zur finanziellen Situation“, wie die Oesterreichische Nationalbank, die den Index hierzulande publiziert, in ihrer Beschreibung erklärt. Eine der Fragen, die zur Erstellung des Konsumentenvertrauensindex monatlich 1.500 Personen in Österreich gestellt wird ist, ob es momentan ein passender Zeitpunkt sei, um dauerhafte Konsumgüter (z.B. Kühlschrank, Fernseher, Möbel, etc.) zu kaufen. Diese Frage wird seit Ausbruch der Corona-Krise auch im Rahmen des Austrian Corona Panels wöchentlich jeweils 1.500 Personen – repräsentativ für die österreichische Bevölkerung (ab 14 Jahre) - gestellt. In diesem Blog-Beitrag präsentieren wir eine Auswertung der Antworten zwischen 1. April und 20. Mai sowie weitere Ergebnisse, die Einblicke in das aktuelle Konsumentenvertrauen ermöglichen.

Dauerhafte Konsumgüter

Abbildung 1 veranschaulicht die Antworten auf die Frage „Glauben Sie, dass jetzt ein guter oder schlechter Zeitpunkt ist, um größere Haushaltsgegenstände wie Möbel, einen Kühlschrank, einen Herd, einen Fernseher und solche Dinge zu kaufen?“  in den einzelnen (wöchentlichen) Umfragewellen seit Beginn des Austrian Corona Panel Projekts Anfang April.  In dieser Abbildung sind auch die zwei Zeitpunkte (14. April und 1. Mai) eingetragen, die die schrittweisen Geschäftsöffnungen im Rahmen der Lockerungen der Corona-Maßnahmen widerspiegeln. Ab dem 14. April durften Geschäfte mit einer Geschäftsfläche unter 400 qm öffnen, ab dem 1. Mai auch jene Geschäfte deren Geschäftsfläche über dieser Grenze liegt.

In der ersten Welle (Befragungszeitraum Anfang April) waren die Konsument*innen noch überaus zurückhaltend. Nur knapp über 7 Prozent der Befragten sahen damals einen sehr guten oder eher guten Zeitpunkt, um dauerhafte Konsumgüter anzuschaffen. Mehr als 60 Prozent hielten den Zeitpunkt für sehr oder eher schlecht. 23,9% der Befragten antworteten mit „Teils-Teils“, 7,6% mit „Weiß nicht“.

Der Anteil derjenigen Befragten, die zum jeweiligen Zeitpunkt einen sehr schlechten oder eher schlechten Zeitpunkt für den Kauf dauerhafter Konsumgüter sehen, ist im Verlauf der Krise stetig gesunken. Zuletzt lag dieser Anteil bei knapp unter 30%, also bei nur mehr der Hälfte des ursprünglichen Anteils. Der Anteil derjenigen, die einen sehr guten oder eher guten Zeitpunkt sehen, ist zugleich tendenziell gestiegen und lag zuletzt (Welle 9: 23.-27.5.2020) bei knapp über 20%. Ebenso gestiegen ist der Anteil derjenigen, die mit „Teils-teils“ antworten. Diese stellen in den letzten drei Wellen jeweils die größte Gruppe dar. Ein möglicher Grund für den großen Anteil der Unentschlossenen liegt in der Formulierung der Fragestellung. Diese wurde absichtlich so gewählt, dass sie sowohl individuelle als auch allgemeine wirtschaftliche Überlegungen zulässt. So ist es etwa denkbar, dass Befragte aufgrund ihrer eigenen finanziellen Situation jetzt für sich einen sehr schlechten Zeitpunkt sehen, jedoch aus gesamtwirtschaftlichen Überlegungen zur Konjunkturbelebung den Zeitpunkt für sehr gut halten und daher mit „Teils-teils“ antworten.  Die Veränderungen bei allen Antworten verlaufen kontinuierlich und es sind keine abrupten Veränderungen nach den Lockerungen der Maßnahmen ab dem 14. April und dem 1. Mai zu erkennen. Das könnte auf die frühzeitigen Ankündigungen zurückzuführen sein und zu einer stetigen Anpassung der Antworten geführt haben. 

Abbildung 1: Guter oder schlechter Zeitpunkt, um dauerhafte Konsumgüter zu kaufen. Stichprobe N = 1.500 (Quelle: Corona-Panel der Universität Wien, erste bis neunte Welle, Befragungszeitraum: 1.4.-27.5.2020, Daten gewichtet)

Abbildung 2 zeigt die Differenz zwischen den positiven (sehr oder eher gut) und negativen (sehr oder eher schlecht) Antworten im Zeitverlauf. Ein Aufwärtstrend während der letzten Wochen ist hier klar erkennbar. Während zu Beginn der Befragung Anfang April die Differenz zwischen den negativen und den positiven Antworten mit -54,1 Prozentpunkten deutlich im negativen Bereich lag, liegt sie bei der letzten Befragung am 20. Mai „nur“ mehr bei -8.5 Prozentpunkten. Auffallend ist jedoch, dass sich die Einschätzung zuletzt (von Welle 8 auf Welle 9) erstmals wieder leicht verschlechtert hat.  

Abbildung 2: Konsumentenvertrauen. Guter oder schlechter Zeitpunkt, um dauerhafte Konsumgüter zu kaufen. Differenz zwischen negativen und positiven Antworten. Stichprobe N = 1.500 (Quelle: Corona-Panel der Universität Wien, erste bis neunte Welle, Befragungszeitraum: 1.4.-27.5.2020, Daten gewichtet)

Antworten nach Erwerbsgruppen

Abbildung 3 zeigt eine Auswertung der Frage, ob nun ein guter oder schlechter Zeitpunkt für den Kauf eines dauerhaften Konsumgutes sei, nach Erwerbsgruppen. Die Antworten spiegeln die Situation der Befragten wider. Es zeigt sich nämlich, dass Arbeitslose, Personen in Kurzarbeit oder selbstständig Erwerbstätige pessimistischer als unselbständig Erwerbstätige oder Pensionist*innen sind. Während bei allen Gruppen am Beginn der Befragung die Differenz der negativen und der positiven Antworten negativ war, so ist diese Differenz bei den unselbständig Erwerbstätigen, die derzeit nicht in Kurzarbeit sind, in den letzten zwei Befragungswellen bereits positiv. Allerdings ist die Differenz der negativen und der positiven Antworten bei Befragten, die zum Befragungszeitpunkt in derzeit sind, oder jenen in Arbeitslosigkeit mit Werten von 30,1 und 27,9 Prozentpunkten noch immer deutlich negativ.

Abbildung 3: Konsumentenvertrauens nach Erwerbsstatus. Guter oder schlechter Zeitpunkt, um dauerhafte Konsumgüter zu kaufen. Differenz zwischen negativen und positiven Antworten. Stichprobe N = 1.500 (Quelle: Corona-Panel der Universität Wien, erste bis neunte Welle, Befragungszeitraum: 1.4.-27.5.2020, Daten gewichtet)

Blick in die nahe Zukunft

Abbildung 4 zeigt die Antworten auf die Fragen, ob nach persönlicher Einschätzung der Befragten in 3 oder 12 Monaten ein guter oder schlechter Zeitpunkt sein wird, dauerhafte Konsumgüter zu kaufen. Die Frage wurde in der achten Welle gestellt.

Die Auswertungen zeigen, dass rund 18% der Befragten in 3 Monaten einen sehr schlechten oder einen eher schlechten Zeitpunkt sehen. Rund 14% der Befragten sehen auch in 12 Monaten noch einen sehr schlechten oder einen eher schlechten Zeitpunkt. Zum Zeitpunkt der Welle 8 (15.-20.5.2020) haben rund 30 % der Befragten diese Antwort gegeben (vgl. Abbildung 1). Von den Befragten gaben rund 31% und 32% an, dass in 3 und 12 Monaten ein sehr guter oder eher guter Zeitpunkt ist, dauerhafte Konsumgüter zu kaufen, während dies zum Zeitpunkt der Welle 8 rund 24 %  waren (vgl. Abbildung 1). Der Anteil der Befragten, die mit „teils-teils“ antwortet, steigt von 37% auf 41,3% und 41,0%. Diejenigen, die mit nicht „weiß nicht“ antworten, steigt von 9% auf 10% und 14%. Das ist auch Ausdruck einer steigenden Unsicherheit, die mit der Frage nach einem späteren Zeitpunkt einhergeht. Doch insgesamt kann eine langsame Erholung der Konsumeinschätzungen angenommen werden.

Abbildung 4: Guter oder schlechter Zeitpunkt, um dauerhafte Konsumgüter zu kaufen. In 3 Monaten und in 12 Monaten. Stichprobe N = 1.500 (Quelle: Corona-Panel der Universität Wien, achte Welle, Befragungszeitraum: 15-20.5.2020, Daten gewichtet)

Schlussfolgerungen 

Das Konsumentenvertrauen ist in Österreich zu Beginn der Corona-Krise drastisch eingebrochen, hat sich jedoch in den letzten Wochen stetig erholt. Insbesondere Personen in Kurzarbeit und in Arbeitslosigkeit sehen aber nach wie vor überwiegend einen (sehr oder eher) schlechten Zeitpunkt, um dauerhafte Konsumgüter zu kaufen. Die mittelfristige Einschätzung der Konsument*innen ist grundsätzlich positiver als die aktuelle, jedoch ist diese noch von erheblicher Unsicherheit gekennzeichnet.


Paul Pichler ist assoziierter Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Wien.

Philipp Schmidt-Dengler ist Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Wien.

Christine Zulehner ist Professorin am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Wien.