Panelumfrage: Die österreichische Bevölkerung im Umgang mit Corona

03.04.2020

Die Corona-Krise hat das Leben und den Alltag in Österreich ebenso wie in vielen anderen Ländern fundamental geändert. Dennoch sind Menschen in sehr unterschiedlicher Weise betroffen. Manche sind schwer erkrankt oder ringen gar mit dem Tod. Andere, die ihren Arbeitsplatz nach Hause verlegen können, sind mit der Herausforderung konfrontiert, Erwerbsarbeit mit Hausarbeit und Kinderbetreuung zu vereinbaren, und sich im Multitasking zu üben. Für wiederum andere bedeutet die Krise den Verlust ihres Arbeitsplatzes oder ihrer Aufträge und sie stehen plötzlich vor der Frage, wie sie die Zeit wirtschaftlich überleben sollen. Schüler*innen stehen vor der Herausforderung, sich die Lerninhalte selbst beizubringen. So erlebt die österreichische Bevölkerung zwar gemeinsam eine Situation, die seit dem Ende des zweiten Weltkriegs noch nicht dagewesen ist, und übt in vielerlei Hinsicht neuen Zusammenhalt. Gleichzeitig sind die Herausforderungen und Auswirkungen für jeden Menschen und für jede Familie andere.

Genau dieser Frage, nämlich wie Stimmungslagen, Einstellungen, Verhaltensweisen und Informiertheit der Bevölkerung verteilt sind, und wie diese sich im Laufe der Krise entwickeln, widmet sich eine neue Studie der Universität Wien. Unter der Leitung von Bernhard Kittel (Institut für Wirtschaftssoziologie), Sylvia Kritzinger (Institut für Staatswissenschaft), Hajo Boomgaarden (Institut für Kommunikationswissenschaft) und Barbara Prainsack (Institut für Politikwissenschaft) wird ein Team von Wissenschafter*innen aus verschiedenen Disziplinen und ausgewählten Kooperationspartner*innen folgende Fragen beantworten: Wie sehen Menschen die Bedrohungen auf gesundheitlicher und wirtschaftlicher Ebene? Wie stehen sie zu den getroffenen politischen Maßnahmen? Was denken sie von den demokratiepolitischen und kommunikativen Herausforderungen? Die Analyse der situationsspezifischen Wirkung von Krisenkommunikation und Maßnahmen zur Krisenbewältigung soll dabei vier Grundaspekte erfassen: die Wahrnehmung, die empfundenen Auswirkungen und der Umgang mit sowie die Reaktion auf politische Maßnahmen zur Bewältigung der Krise.

Kern der Studie ist eine Panelumfrage mit einer Stichprobe von 1500 Respondent*innen, die die soziodemographische Struktur der österreichischen Bevölkerung repräsentativ abbildet. Panelumfrage bedeutet, dass dieselben Personen wiederholt befragt werden, um auf diese Weise Veränderungen in einer Zeit rascher Umbrüche nachverfolgen zu können. Der Fragebogen enthält einen Kern von Fragen, die derselben Stichprobe wöchentlich vorgelegt werden, und wechselnde Module, die tiefer auf bestimmte Dimensionen eingehen und in größeren Abständen abgefragt werden. Damit können sowohl wichtige Trends genau nachverfolgt werden als auch Schwerpunkte auf wichtige Eckpunkte und Aspekte, wie Familie, Arbeit, Politik oder Medien, gesetzt werden.

Ab morgen finden Sie an dieser Stelle täglich eine neue Auswertung der Daten, die jeweils in der Vorwoche erhoben worden sind, zu den verschiedenen Aspekten der gesellschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Damit sind Sie immer am neuesten Stand!

Die Studie ist aus Eigeninitiative der vier Projektleiter*innen entstanden und wird für die ersten fünf Wochen aus Mitteln des COVID-19 Rapid Response Programms des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) gefördert. Sie ist politisch unabhängig und ausschließlich den Kriterien guter wissenschaftlicher Praxis verpflichtet. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse können dazu genutzt werden, evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen und somit dazu beitragen, uns gemeinsam gut durch die Krise zu bringen. 

Der Fragebogen hätte nicht innerhalb einer Woche entwickelt und umgesetzt werden können ohne den unermüdlichen Einsatz von vier Mitarbeiter*innen: Fabian Kalleitner (Institut für Wirtschaftssoziologie), Julia Partheymüller (Institut für Staatswissenschaft), Carolina Plescia (Institut für Staatswissenschaft) und David W. Schiestl (Institut für Wirtschaftssoziologie). Eine große Zahl von Kolleg*innen, die Sie als Autor*innen von Beiträgen zu diesem Blog kennenlernen werden, hat im Zuge dieses Prozessen Fragen und Items beigesteuert sowie verschiedenste Aspekte des Fragebogens kritisch kommentiert. Ihnen allen danken wir von Herzen! Wir arbeiten kontinuierlich an der Entwicklung neuer Fragebogenmodule weiter und freuen uns über Zusendungen und Ideen, insbesondere auch von unseren Leser*innen.

Schließlich wollen wir den Teilnehmer*innen an der Studie auf diesem Weg danken, dass sie uns als Informationsgeber in den nächsten Wochen begleiten und die Datengrundlage für unsere Analysen liefern werden. Liebe Respondent*innen, wir kennen Sie nicht persönlich und werden Ihnen nie begegnen, weil es ein fundamentaler Grundsatz wissenschaftlicher Forschung ist, die Anonymität der Befragten sicher zu stellen.

Auf eine gewisse Weise jedoch werden wir als Wissenschaftler*innen und Sie als Leser*innen diese Menschen in einer abstrahierten und aggregierten Weise kennenlernen – und dank ihnen einen Einblick in die aktuelle Situation der Österreicher*innen gewinnen. Daher an dieser Stelle nochmals: Danke!

Weitere Informationen zur Studie finden Sie auf der Webseite bit.ly/coronapanel, die sukzessive aufgebaut wird. Sie erreichen uns über die Email-Adresse coronapanel2020@univie.ac.at.

Bernhard Kittel, Sylvia Kritzinger, Hajo Boomgaarden, Barbara Prainsack

Universität Wien

 

 

(c) Pexels / Anna Shvets
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